„Zehn“ ist ein rundum gelungener Band höchst unterschiedlicher Erzählungen, in denen Franka Potente uns die japanische Kultur näherbringt, indem sie feinfühlig, einfühlsam, ruhig und präzise von Menschen erzählt – von Situationen aus ihrem Alltag, von ihren Gedanken und ihren Gefühlen. Fast meint man, sie zu kennen, ob es sich um die junge schwangere Frau handelt, die sich als einzige in der Familie eine Tochter wünscht oder um die Witwe, die hingebungsvoll Lachs-Eintopf zubereitet. Ob sie von der jungen Frau erzählt, die heimlich in einem Nachtclub tanzt oder die Kraft eines einziges Reiskorns beschreibt.
- Lola, die älteste von ihnen ist sensibel und kultiviert, sie hat gerade eine unschöne Scheidung hinter sich.
- Simon, grundgütig, schlägt sich als begabter Tüftler durchs Leben. Er legt sich nie mit anderen an, schon gar nicht mit seiner Frau Carine, einer geschäftstüchtigen Apothekerin, für die Hygiene und Ordnungssinn über alles gehen.
- Garance, die Ich-Erzählerin, ist ein lebenslustiger Single, die zu allem ihre spitzzüngigen Kommentare abgibt.
Als sich herausstellt, dass der Vierte im Geschwisterbund, Vincent, nicht zu der Familienfeier erscheint, büxen die drei kurzentschlossen aus, verlassen das gediegene Fest samt Schwägerin und Ehefrau, um das Wochenende beim Bruder zu verbringen, der als Schlossführer irgendwo in der ´Pampa` jobt.
Sehr liebevoll zeichnet Gavalda die Brüder und Schwestern, die ihr Zusammensein zu viert wie eine letzte kleine Flucht zelebrieren. Sie genießen ihren “geschenkten Tag”, hören zusammen Musik, und erzählen sich aus ihrem Leben, sie erinnern sich an ihre Kindheit, nehmen an einer Dorfhochzeit teil und erfreuen sich an der Natur, sie verleben einfach einen wunderschönen Sommertag.
Eigentlich haben wir hier ein Buch ausgesucht, das als Kinderbuch viel eher in die Jugenbuchtipps ´gehören`würde. Weil wir es aber selbst (wir Erwachsenen) so (!) gern gelesen haben, muss es einfach zu unseren ´großen`Tipps- zwischendruch ein starkes Kinderbuch zu lesen kann nämlich absolut spannend, komisch, traurig und unterhaltsam sein. So, wie Anton eben. Lesen Sie selbst:
Anton erzählt seine Abenteuerheldengeschichte selbst – „…es beginnt in der Zeit als ich noch Starflashman hieß, und hier sind die Chips. Ich habe auch extra Popcorn gemacht. Ihr sollt sitzen bleiben und zuhören, alles klar?“
Anton fährt mit seinen Großeltern in Ferien auf einen Campingplatz. Entsetzt stellt er fest, dass es keinen Swimmingpool gibt, nur einen See mit Badestelle, Holzsteg und Sandstrand. Anton sieht schwarzes Wasser mit Schlingpflanzen und Ekeldreck, und vermutet glipschige Fische, die ins Wasser pinkeln und Muscheln und Schnecken, die ihren Schleim ausstoßen. Anton ist beleidigt, gibt sich cool und bleibt dem Wasser fern, daran ändert auch die von Oma geschenkte Taucherbrille nichts.
Oma schwimmt im See und Opa angelt, Anton zieht seine Sonnenbrille auf und sitzt rum. Ein kleiner Fisch, der nur zum Köderfisch taugt weckt seine Aufmerksamkeit. Er beobachtet ihn zunächst im Eimer, siedelt ihn dann in ein Gurkenglas um und nennt ihn Piranha. Jetzt hat er einen Ferienbegleiter, der ihm - in einer brenzligen Situation mit einem Angebertyp - ungeahnte Kräfte verleiht. Mit Piranha wird dann überhaupt alles ganz anders.
Die Autorin Milena Baisch hat für Jungs von 7,8,9 Jahren tatsächlich einen witzigen Helden erschaffen und sie zeigt Erwachsenen, was in so ´nervtötenden, kleinen Monstern` manchmal so vorgehen kann – ein erfrischendes Kinderbuch mit Tiefgang.
Sie finden ´Anton` in unseren Kinderbuch-Regalen.
Elizabeth Hay, geboren 1951 in Owen Sound, Ontario arbeitete zehn Jahre lang als Radiomoderatorin für die CBC und lebt heute in Ottawa. 2001 wurde ihr der `Marian Engel Award’ für ihr Lebenswerk verliehen, für Ihre Romane und Erzählungen erhielt sie zahlreiche Preise und Auszeichnungen.
Den kleinen Radiosender des Ortes, dessen Existenz ebenfalls bedroht ist, leitet Harry, einst gefeierter Radiostar und beim Fernsehen hoffnungslos gescheitert. Als er zum ersten Mal Didos Stimme auf Sendung hört ist es um ihn geschehen. Er ist nicht der Einzige, der sich in Sie verliebt, alle im Sender sind fasziniert von ihr. Ein paar Tage später steht Gwen vor der Tür, die ohne jede Erfahrung unbedingt zum Radio möchte und nach langem Mühen als Nachrichtensprecherin eine wunderbare Moderatorin der Nachtsendung werden wird.
Ein Reigen aus Liebe, Freundschaft und Verrat beginnt und ein Hörspiel bringt die Freunde dazu, zu einer gemeinsamen Kanutour durch die Wildnis auf den Spuren eines gescheiterten Entdeckers aufzubrechen.
Schon in jungen Jahren ist Lily - die älteste von drei Geschwistern - die tragende Säule der Familie Casey. Sie reitet Pferde zu, tritt bei Gericht auf, spielt Poker wie der Teufel und organisiert tatkräftig die Arbeit auf der Farm. Trotzdem ist das Mädchen überglücklich, als es zur Schule gehen darf. Ein Vergnügen von kurzer Dauer, denn statt das Schulgeld zu entrichten, hat der Vater sündhaft teure Rassehunde erstanden.
Lily ist fest entschlossen, die elterliche Farm hinter sich zu lassen. Mit gerade mal fünfzehn Jahren tritt sie mit ihrem Pferd die lange Reise zu ihrer ersten Lehrerinnenstelle an. Unbeirrt von zahlreichen Schicksalsschlägen schafft sie es, mit Verstand und Willensstärke ihren eigenen Weg zu gehen.
Jeanette Walls wurde in Phoenix, Arizona geboren. Sie studierte am Barnard College und arbeitete über zwanzig Jahre als Journalistin in New York. 2006 erschien mit "Schloss aus Glas" die Geschichte ihrer Eltern und ihrer Kindheit. Das Buch wurde in dreiundzwanzig Sprachen übersetzt und avancierte zum Bestseller.
Buch-Tipp von I.Menninger & Auszüge d Verlages
.. In dessen Wohnung findet er ihn mit einem Messer im Bauch auf dem Bett liegen. Während Kindred versucht, das Messer aus der Wunde zu ziehen, stirbt seine Zufallsbekanntschaft vor seinen Augen. Ein Geräusch im Nebenzimmer schreckt ihn auf und in Panik flieht er mitsamt der Aktenmappe aus der Wohnung. Alle Indizien weisen auf ihn als Täter hin und so beschließt er, in London unterzutauchen.
William Boyd erzählt die Geschichte eines Mannes, der von einer Minute auf die andere von einem geachteten Wissenschaftler, ausgestattet mit den modernen Selbstverständlichkeiten wie Kreditkarte und Pass, zu einem mittellosen Nichts wird.
Wie dieser sich in London durchschlägt, verfolgt von der Polizei und dem Auftragskiller, der den Pharmakologen ermordet hat. Wie sich Kindred im Laufe der Geschichte völlig neu erfindet und nebenbei noch einen perfiden Pharmaskandal aufdeckt, das hat William Boyd äußerst spannend und unterhaltsam erzählt. Ein packendes Buch mit einem durchaus zwiespältigem Ende, das einen nicht losläßt nicht zuletzt auch deswegen, weil es Fragen über die Zerbrechlichkeit unserer Identität auf wirft.
William Boyd, ein 1952 in Ghana geborener Schotte, hat viele Drebücher, Kurzgeschichten und Romane geschrieben. In Deutschland ist er mit seinem großartigen Roman “Ruhelos”, erschienen 2007, bekannt geworden.
Buch-Tipp von Annette Spencer
Aus einem osteuropäischen Land reist ein Mann per Bus nach London, um dort Arbeit zu finden. In seinem Heimatort hat das Sägewerk geschlossen, eine Chance auf einen anderen Arbeitsplatz gibt es nicht. Zurück lässt er Mutter und kleine Tochter – seine Frau ist vor kurzer Zeit gestorben. Dass man in London von 20 Pfund in der Woche leben könne, hat ihm sein Freund erzählt und Levs eigene Vorstellungen sind diffus und reichlich naiv.
Ihr ist ein warmherziges, witziges Buch gelungen, in dem die schwierige und schmerzhafte Wirklichkeit von Migranten zwar sehr deutlich wird, doch sich letztlich alles glücklich fügt. Wohltuend ist, dass sie dabei niemals in Kitsch abgleitet.
Buch-Tipp von Irene Menninger